Wie Kulturproduktion solidarisch finanziert wird

Förderanträge schreiben, auf Zu- oder Absagen warten, von Projekt zu Projekt hangeln – für viele Kulturschaffende ist das Alltag. Doch wie lässt sich Kulturarbeit finanzieren, ohne in prekäre Abhängigkeiten zu geraten oder dauerhaft im Fördermodus zu bleiben?
In diesem Workshop erkunden wir alternative Finanzierungsmodelle jenseits klassischer öffentlicher Förderung: solidarische Beiträge, Gemeinwohlfonds, mitgliedsbasierte Finanzierung, Crowdfunding mit Commons-Ansatz sowie hybride Modelle, die verschiedene Einnahmequellen verbinden.
Im Zentrum stehen praktische Fragen: Wie lassen sich verlässliche Einnahmestrukturen aufbauen? Welche Modelle passen zu welchen Organisationsformen? Wie können solidarische Finanzierungsansätze konkret umgesetzt werden? Und wie lässt sich wirtschaftliche Tragfähigkeit sichern, ohne solidarische Prinzipien aufzugeben?
Inputs
Heike Birkhölzer, Social Economy Berlin
Heike Birkhölzer ist soziale Unternehmerin und arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von sozialer Ökonomie, Stadtentwicklung und gemeinwohlorientierter Innovation. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Technologie-Netzwerk Berlin e. V. (TechNet) und Vorstand im Verbund kooperatives Wirtschaften / Social Solidarity Economy Germany (VKW). Sie hat Social Economy Berlin entwickelt und ist Expertin für soziale Unternehmensgründungen. Sie beschäftigt sie sich mit der Entwicklung sozialer Geschäftsmodelle und Finanzierungsstrategien, Wirkungsmanagement und dem Aufbau dauerhafter Ökosystemstrukturen im Bereich der Sozialen Ökonomie. Darüber hinaus ist sie in wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Kontexten rund um soziale Ökonomie und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung aktiv.
Philipp Hoelscher, PHINEO gAG
Philipp Hoelscher ist Experte für strategische Innovation und Organisationsentwicklung mit langjähriger Erfahrung im gemeinnützigen Sektor. Über 14 Jahre prägte er die Entwicklung der PHINEO gAG in verschiedenen Leitungsfunktionen, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung. Dort begleitete er Stiftungen, Sozialunternehmen, NGOs und Unternehmen bei wirkungsorientierter Strategieentwicklung und nachhaltiger Transformation. Unter seiner Mitwirkung entstanden Initiativen und Publikationen wie das „Kursbuch Wirkung“, das heute als Standardwerk für wirkungsorientiertes Arbeiten gilt. Zudem ist er Fellow der Maecenata Stiftung und Mitherausgeber des Papers „Denkanstöße zur Finanzierung der Zivilgesellschaft: Chancen für mehr Unabhängigkeit, Dynamik, Innovation und Wirkung“. Seine Arbeit verbindet Innovationsprozesse, Wirkungsmessung und Organisationsentwicklung mit einem klaren Fokus auf gesellschaftlichen Wandel und zukunftsfähige Strukturen.
Linnéa Puck und Luise Laser, Utopisches Salzderhelden
Linnéa Puck und Luise Laser leben und wirken seit 5 Jahren in dem politischen Netzwerk „Utopisches Salzderhelden“. Dort werden verschiedene Formen des solidarischen Miteinanders gelebt. Sei es funktionales Wohnen, gemeinsame Ökonomien oder die Lebensmittelrettung im großen Stil. Außerdem werden Fahrzeuge, Wohnort und andere Ressourcen ganz nach dem Prinzip des Commoning geteilt und gestaltet. Im Fokus stehen offene und tauschlogikfreie Räume. So verwalten Linnéa und Luise zum Beispiel das Projekt- und Seminarhaus K20 und betreiben das Bahnhofscafé zur Molli ohne festen Preise. Die gemeinschaftsgetragenen solidarischen Strukturen und bedürfnisorientierte Ressourcenverteilung ermöglichen es ihnen, ihr Kulturprogramm auf dem Land commonsbasiert anzubieten. Zu diesem gehört zum Beispiel die wöchentliche Theater- und Tanzgruppe Murga, die von der kurdischen Bewegungen inspirierten vierteljährlich stattfindenden Kulturabende, regelmäßige Gleiskonzerte im Bahnhofscafé und das alljährliche Sommerfestival in der K20.
Moderation
Benedikt Stoll – Urbane Praxis e.V.
Sarah Waterfeld, Falk Lörcher – Union für Cultural Commons
Janet Merkel – TU Berlin, Institut für Stadt- und Regionalplanung, Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung
Um Anmeldung unter diesem Link wird gebeten.
Der Workshop ist Teil der transdisziplinären Workshop-Reihe „Solidarische Kulturproduktion“. In deren Mittelpunkt stehen kollektive und gemeinwohlorientierte Organisationsformen, solidarische Finanzierungsansätze sowie Governance-Praktiken, in denen Mitbestimmung und Sorgearbeit zusammengedacht werden. Die Reihe wird von Benedikt Stoll (Urbane Praxis e.V.), Sarah Waterfeld, Falk Lörcher und Isabella Dahm (Union für Cultural Commons) und Janet Merkel (TU Berlin, Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung) organisiert. Das Projekt wird finanziert mit Mitteln der TD-Lab-Förderung der Berlin University Alliance.